Gebucht und abgezockt

Auf der ganzen Welt schlagen Hotels Alarm. Sie erleiden Milliardenverluste durch betrügerische Webseiten, die Buchungen annehmen, Reservierungsbestätigungen verschicken und die Übernachtungskosten vorab per Kreditkarte abbuchen.

Paolo Rosa

Immer häufiger gibt es an der Rezeption Ärger beim Einchecken: Viele ankommende Gäste erleben eine böse Überraschung, weil ihre sicher geglaubte Reservierung nicht akzeptiert wird. Der Grund: Die Buchung wurde auf einer betrügerischen Webseite vorgenommen, dem Hotel selbst liegt keine Buchung vor. Der Schaden geht inzwischen in die Milliarden. In einer eigens durchgeführten Untersuchung kommt die American Hotel & Lodging Association (AHLA) zu dem Ergebnis, dass der Online-Betrug allein bei Hotelbuchungen in den USA inzwischen einen Anteil von rund sechs Prozent erreicht hat – Tendenz stark steigend. „Das Ergebnis hat uns umgehauen. Wir glaubten, dass nur etwa zwei Millionen Buchungen auf das Konto der Internetbetrüger gingen. Doch unsere Studie zeigt, dass es rund 15 Millionen sind“, sagt Katherine Lugar, Präsidentin der AHLA.

Die von ihr angesprochenen Internetbetrüger täuschen auf ihren Webseiten vor, ein Hotel, eine Kette oder ein seriöses Online-Reisebüro zu sein. Die Fotos und die Hotelbeschreibungen wurden von der Originalseite kopiert, alles sieht echt aus. Auch die Buchungsmaschine unterscheidet sich nicht von den vertrauten Buchungen auf einer echten Hotel- oder Agenturseite. Eine hohe Attraktivität des Angebotes wird dadurch erreicht, dass die Preise wesentlich günstiger sind als bei vergleichbaren anderen Webseiten. Wer die Buchung abgeschlossen hat, erhält umgehend eine Bestätigung mit einer Nummer, die strukturell identisch ist zu einer Buchung auf der Originalseite. Doch sie ist wertlos, das Hotel weiß nichts von der Reservierung. Noch schlimmer: Das von der Kreditkarte flugs abgebuchte Geld geht auf das Konto der Betrüger, die zumeist in Ländern sitzen, in denen sie rechtlich nicht greifbar sind.

Grafik Hotelbuchungen Internet

Die Trickmasche läuft immer raffinierter. So werden nicht nur Bilder und Hotelbeschreibungen von der Originalseite kopiert, sondern auch der Hotelname irgendwo in der Webadresse geführt. Manche bieten sogar einen Telefonservice an, hinter dem sich ein Callcenter des Betrügers verbirgt. Die Angestellten haben genaue Anweisungen, wie sie die Identität am sichersten vortäuschen können. Beispielsweise sind die Begrüßungsformeln und die Standardfragen exakt so wie beim Originalhotel. Das Problem verschärft sich gegenwärtig noch dadurch, dass immer mehr Buchungen auf Tablets oder Smartphones durchgeführt werden. „Die kleinen Bildschirme der mobilen Geräte machen eine genaue Identifikation der Webseite viel schwieriger. Das nutzen die Betrüger gnadenlos aus“, sagt Mary Power, Chefin vom Better Business Bureau, einem Unternehmen, das sich auf Cybersicherheit spezialisiert hat.

Betroffene Hotels reagieren beim Versuch, mit einer gefälschten Bestätigung einzuchecken, unterschiedlich. „Falls wir ein Zimmer frei haben, bieten wir es dem Gast zu unserem normalen Preis an. Der ist aber meistens höher als der Preis, zu dem er gebucht und den er bezahlt hat. Wir rechnen dann den bereits an den Betrüger bezahlten Betrag an, so dass der Gast nur noch die Differenz nachzahlen muss. Falls er sich jedoch hartnäckig weigert, akzeptieren wir auch die falsche Bestätigung und hoffen, dass er beim nächsten Mal direkt bei uns bucht“, sagt Andy Vasani, Chef von acht InnVite-Hotels im US-Staat Ohio. Damit Gästen diese Entscheidung leichter fällt, erhalten sie einen Rabattgutschein für eine spätere Übernachtung. „Auf dem Gutschein steht die genaue Internetadresse. Außerdem wird kein Betrüger den Gutschein akzeptieren“, stellt Vasani fest.

»Online-Buchungen im Tourismus erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Kein Wunder, dass jetzt auch die schwarzen Schafe aus ihren Verstecken hervorkommen, um kräftig abzukassieren«

– Maryam Cope, American Hotel & Lodging Association

Viele Hotels reagieren ähnlich und akzeptieren falsche Bestätigungen immer häufiger. Doch dieses Nachgeben gegenüber einem geprellten Gast hat bereits zu einer weiteren Betrugsform geführt. Viele, die einmal ein Zimmer zu wesentlich günstigeren Konditionen erhalten haben, drucken sich jetzt einfach eine falsche Bestätigung selbst aus und hoffen darauf, dass sie das Hotel akzeptiert und sie ganz umsonst wohnen können. Inzwischen ist sogar die US-Regierung aktiv geworden. Verschiedene US-Abgeordnete haben parteiübergreifend eine Gesetzesinitiative gestartet, wonach die Behörden und die Verbraucherschutzorganisationen umfangreiche Aufklärungskampagnen durchführen sollen. Außerdem wurden die Befugnisse des FBI bei der Strafverfolgung der Online-Betrüger erweitert. Auch das US-Handelsministerium hat reagiert und eine Warnung veröffentlicht sowie für alle Verbraucherschutzorganisationen entsprechende Empfehlungen erstellt. Das Kommunikationsministerium will ein Auge auf die entsprechenden Internetwege werfen und gegebenenfalls Server oder betrügerische Internetadressen sperren. Ob das wirklich hilft, darf allerdings bezweifelt werden.

Autor: Harald Weiss

Foto: Paolo Rosa

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