In den USA könnte laut einem Medienbericht die bislang größte Übernahme in der Branche der Chiphersteller anstehen. Der kalifornische Riese Broadcom prüfe die Übernahme des zuletzt mit einigen Problemen kämpfenden Rivalen Qualcomm für rund 100 Milliarden Dollar (86 Mrd Euro), berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitagabend mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen. Broadcom stimme sich mit Beratern über einen möglichen Deal ab.

Bereits in den kommenden Tagen solle es ein Angebot von Broadcom geben, hieß es weiter. Demnach dürften zirka 70 US-Dollar je Anteilschein geboten werden. Qualcomm würde damit mit rund 103 Milliarden Dollar bewertet werden. Beide Unternehmen haben laut dem Bericht auf Anfrage zu der Sache keine Stellung genommen.

Gemessen zum Freitagschlusskurs von knapp 62 Dollar kommt Qualcomm derzeit auf einen Börsenwert von 91 Milliarden US-Dollar, während Broadcom mit 107 Milliarden Dollar bewertet wird. Qualcomm arbeitet derzeit selbst an einer milliardenschweren Übernahme und will den kleineren niederländischen Konkurrenten NXP für 47 Milliarden US-Dollar schlucken.

Nach Veröffentlichung der Meldung stieg der Kurs von Qualcomm zwischenzeitlich um fast 19 Prozent und ging mit einem Plus von 13 Prozent aus dem Handel. Der Kurs von Qualcomm war zuletzt wegen eines Lizenzstreits mit Apple unter Druck geraten. Trotz des Kurssprungs vom Freitag stand die Aktie noch rund fünf Prozent unter dem Niveau von Ende 2016.

Das Qualcomm-Papier ist damit eines der wenigen Verlierer innerhalb des Chipsektors, der zuletzt von einer zunehmenden Vernetzung von industriellen Prozessen oder von Autos sowie dem Smartphone-Boom profitierte. in Deutschland wirkte sich das vor allem auf Infineon aus. Der Börsenwert von Infineon legte in diesem Jahr bereits um knapp die Hälfte auf fast 28 Milliarden Euro zu.

Die Aktie der früheren Siemens-Tochter ist mit Kursen über der Marke von 24 Euro derzeit so teuer wie seit Anfang 2001 nicht mehr, aber noch weit entfernt von dem Niveau, das sie Anfang des Jahrtausends zu Zeiten des Dotcom-Booms hatte. Damals hatte sie zeitweise knapp 74 Euro gekostet. 2009 war das Papier wegen der Finanzkrise und vieler hausgemachter Probleme bis auf 34 Cent gefallen.

dpa