Deutsche Unternehmen geraten nach eigener Einschätzung zunehmend ins Visier von Cyber-Kriminellen und Datendieben. Bei einer Umfrage unter 450 Firmen gaben 44 Prozent an, in den vergangenen drei Jahren konkrete Hinweise auf entsprechende Attacken entdeckt zu haben. Dies berichtete das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY am Donnerstag in Frankfurt. Es gebe gut drei Mal so viele Betroffene wie noch vor zwei Jahren.

Besonders unter Druck sind den Angaben zufolge Großunternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz. Von ihnen hätten 48 Prozent konkrete Angriffe festgestellt. Nach Einschätzung von EY dürfte die Dunkelziffer allerdings höher sein. In jeder sechsten betroffenen Firma seien die kriminellen Handlungen nur durch Zufall aufgeflogen.

Laut EY ist nach den jüngsten weltweiten Attacken die Sorge gewachsen: Gut drei von fünf Befragten bewerteten das Risiko, Opfer von Spionage und Cyberangriffen zu werden, als eher oder sehr hoch. Vor zwei Jahren hatte dieser Anteil noch bei 34 Prozent gelegen.

Mitte Mai hatte der „WannaCry“-Angriff über eine erpresserische Software hunderttausende Computer in mehr als 150 Ländern mit dem Betriebssystem Windows infiziert. Betroffen waren damals vor allem Privatpersonen – aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Renault oder das britische Gesundheitssystem NHS. Wenige Wochen später wurden weltweit die IT- und Kommunikationssysteme von Firmen durch die Schadsoftware „NotPetya“ lahmgelegt.

„Die Gefährdung hat in jüngster Zeit noch einmal rapide zugenommen – und kommt von unterschiedlichster Seite“, erläuterte EY-Experte Bodo Meseke. „Neben Geheimdiensten und Wettbewerbern tritt verstärkt die Organisierte Kriminalität als Angreifer auf.“

dpa